Das Barefoot Sattelsystem verteilt das Reitergewicht völlig anders als ein herkömmlicher Baumsattel oder andere Sättel. Sie sitzen im Barefoot zwischen zwei Formteilen, die in "Taschen" im Sattel eingearbeitet sind. Diese Formteile werden nur minimal durch Ihr Gewicht belastet und können sich somit in der Bewegung Ihres Pferdes mitbewegen und schränken diese nicht ein. Daher können Sie den Barefoot über der Pferdeschulter satteln, denn die Scapula (Schulterblatt) kann sich darunter bewegen und die Muskulatur bleibt jederzeit gut durchblutet. Diese Art des Sattelns platziert Sie so genau richtig in die Sattellage (BWS 9-12/13), über dem Schwerpunkt Ihres Pferdes.
Für die Gesamtlänge des Sattels bedeutet dies: Auch unter dem hinteren, elastischen Formteil lässt der Barefoot den Rücken frei. Auch wenn dort noch "Sattel ist", ist dort aber kaum Belastung durch das Reitergewicht. Der hintere Teil des Rückens bleibt frei und auch ein kurzer Pferderücken kann sich leichter aufwölben. Daher darf der Barefoot auch länger sein als ein herkömmlicher Sattel – also über den 18. Rippenbogen hinausgehen. Der Barefoot-Sattel sieht also rein optisch etwas größer aus als ein herkömmlicher Baumsattel und reicht daher bei kurzrückigen Pferden weiter in die Sattellage hinein. Wie oben beschrieben, darf der Barefoot-Sattel etwas weiter vorne, also direkt auf der Pferdeschulter gesattelt werden. Gerade bei kurzrückigen Pferden mit flachem und gut bemuskeltem Widerrist, wie das viele kompakte Freizeitpferde haben, funktioniert das problemlos.
Bei einem Pferd mit einem prominenten langen Widerrist, der weit in die Sattellage hineinreicht, wie das bei den meisten Voll- oder Warmblütern der Fall ist, kann der Barefoot Sattel anatomisch bedingt nicht direkt auf der Schulter gesattelt werden. Bei diesen Pferden empfehlen wir, den Sattel hinter der Schulter zu satteln, wie Sie das von einem Baumsattel kennen.
Unsere Sättel gibt es in verschiedenen Sitzgrößen. Bitte wählen Sie immer die Größe, die zum größten Reiter des Pferdes passt, selbst wenn der Sattel dann vielleicht optisch zu lang erscheint. Der Reiter sollte immer in seinen Sattel hinein passen, damit das Sattelsystem funktionieren kann und sich die Pferdeschulter tatsächlich frei von Druck bewegen kann. Dies ist ja gerade einer der Vorteile des Barefoot-Sattelsystems. Ist die Sitzgröße zu klein gewählt, kann die Flexibilität des Barefoot-Sattels eingeschränkt sein und die Bewegungen des Pferdes werden behindert. Der Reiter kann in einem zu kleinen Sattel nicht optimal im Gleichgewicht sitzen, das Becken kippt nach vorne und dies kann zu einem klemmenden Spaltsitz führen.
Die Barefoot-Modelle gibt es daher in verschiedenen Größen: Die Sitzgröße 0 passt bei Konfektionsgröße 140-34, die Sitzgröße 1 ist für Reiterinnen mit Konfektionsgröße 36-40 (Herren 44-48), die Sitzgröße 2 für Konfektionsgröße 42-46 (Herren 50-54). Als Sonderbestellung gibt es die Modelle Arizona, Atlanta, Happy Valley, Lazy Mountain und Nottingham als Sitzgröße 3 für Konfektionsgröße 48-52 (Herren 56-60).
Wie man auf seinem Pferd sitzt, ist nicht nur durch den Pferderücken vorbestimmt, sondern ebensfalls durch den Sitz des Reiters und die Passform des Sattels. Allgemein ist bekannt: Nur ein entspanntes Pferd kann loslassen. Losgelassenheit ist ein wichtiger Schritt in der Ausbildung des Pferdes, wenn nicht sogar DER wichtigste Schritt!
Losgelassenheit erreicht man zunächst - und da wird jeder gut ausgebildete Trainer zustimmen - durch Entspannung.
Entspannung aber benötigt zwei Faktoren:
- psychische Entspannung
- Entspannung der Physis = Muskulatur.
Ein Pferd welches sich unter seinem Sattel nicht entspannen kann, kann nicht loslassen. Damit sind alle weiteren Ziele der Ausbildungsskala nicht zu erreichen, denn Anlehnung, Schwung, Geraderichtung, Versammlung folgen der Losgelassenheit.
Ein Pferd kann sich unter dem flexiblen Barefoot Sattel frei von Druck bewegen, denn der Sattel bewegt sich mit der Muskelbewegung des Pferdes mit, lässt Durchblutung, Muskulaturaufbau und Entspannung zu.
Pferde schnauben oft zufrieden ab, wenn sie das erste Mal mit einem Barefoot Sattel geritten werden - ein deutliches Zeichen der Entspannung und des Wohlbefindens und damit wird die Aufnahmebereitschaft für Reiterhilfen ohne Störung durch Verspannung oder Druck möglich.
Pferde bemerken sofort die Veränderung, der Kopf bewegt sich abwärts, weil die Schulter nicht eingezwängt wird. Der Rücken bewegt sich aufwärts, wölbt sich also nach oben, weil hier kein Sattel stört, sondern Bewegung zugelassen wird. Die Hinterhand tritt stärker unter, weil der Rücken sich naturnah bewegen kann, ohne durch den Sattel eingeschränkt zu werden.
Diese Fotos zeigen dasselbe Pferd lediglich mit unterschiedlicher Kopfhaltung:
Während des Reitens ist der Pferderücken ständig in Bewegung und formt sich unterschiedlich, je nach Grad der Versammlung, Biegung und Neigung.
Geht ein Pferd mit erhobenem Kopf, zeigt der Rücken anatomisch bedingt eine stärkere Senke - der Rücken "senkt" sich nach unten. Das Pferd drückt den Rücken weg. Die Wirbelkörber der Wirbelsäule verschränken sich, echte Biegung ist so nicht möglich und die Durchblutung gestört.
Geht ein Pferd stattdessen mit tief eingestelltem Kopf vorwärts abwärts, verändert sich diese Kurve, der Rücken wird aufgewölbt und die Wirbelsäule spannt einen Bogen nach oben. Dieser Ablauf ist bei jedem Pferd/Pony zu beobachten, denn er ist biomechanisch bedingt durch das lange Nackenband/Rückenband, welches das Hinterhauptbein bis hin zu den Lendenwirbeln verbindet in Kombination mit der Arbeit der Rücken- und Bauchmuskulatur.
Der dadurch hervorgerufene "Höhenunterschied" des Pferderückens ist deutlich sichtbar und liegt je nach Pferd oft bei mehr als 5 cm.
Die meisten Sättel sind damit zu unflexibel, um diesen Unterschied auszugleichen. Der flexible Barefoot aber kann sich jederzeit der Rückenlinie des Pferdes und deren Veränderungen anpassen.
Die Abkürzung VPS® steht für "Vertebrae Protection System" (= Wirbelsäulen Schutz System). Das VPS® System wurde von Barefoot® entwickelt für die speziellen Ansprüche eines flexiblen Sattels. Das Design ist geschützt und wird ausschließlich in Barefoot-eigenen Sattelmodellen verwendet.
Die 'Panelkonstruktion' rechts und links der Wirbelsäule ermöglicht einen deutlichen Wirbelsäulenkanal über den Dornfortsatzenden und garantiert konstante Wirbelsäulen- und Widerristfreiheit. Selbst beim Stehen im Steigbügel (Leichttrab) wird der Druck über die ganze Sattelfläche verteilt - es gibt keine Reitergewichtsbeschränkung. Aufgrund der geringen Dicke des VPS® Systems ist eine sehr subtile Kommunikation mit dem Pferd möglich und damit deutlich feineres Reiten. Der Reiter spürt die differenzierte Arbeit der Rückenmuskulatur seines Pferdes unter dem Sattel.
Das VPS® System verteilt das Gewicht des Reiters optimal über einen möglichst großen Bereich des Rückens, Druckpunkte werden vermieden.
Der Barefoot-Sattel benötigt immer eine gewisse Einreitephase, die Polster im Sattel müssen sich erst setzen. Das Leder wird durch die Nutzung geschmeidiger und passt sich an den Reiter und den Pferderücken an. Daher hat man am Anfang etwas das Gefühl, dass der Sattel noch nicht so fest auf dem Pferderücken sitzt und ein bisschen „thronig" auf dem Pferd zu liegen kommt. Zum Einreiten reichen aber die langsamen Gangarten, also reine Schrittrunden in den ersten Tagen völlig aus.
Wir empfehlen daher, die erste Zeit mit dem neuen Barefoot in der Halle oder auf dem Platz zu verbringen, bis sich der Sattel gesetzt hat und Sie sich sicher mit ihm fühlen. Der Barefoot Sattel setzt Sie anders als ein „normaler" Sattel. Sie werden daher möglicherweise erst mal Ihren Sitz wieder suchen müssen, denn durch die Nähe zum Pferd sitzen Sie unterschiedlich zu herkömmlichen Sätteln. Sie sitzen etwas breiter und freier. Das führt langfristig aber zu einem schönen, gut ausbalancierten und unabhängigem Sitz.